Ein bei Wessis verbreitetes Klischee?

Mangelnde Aufarbeitung der NS-Zeit in der DDR

Matthias Krauß ist in seinem Buch Völkermord statt Holocaust” der Frage nachgegangen, ob die Schulen in der DDR vierzig Jahre lang den Holocaust verschwiegen und nur den kommunistischen Widerstand behandelten. Dieser Vorwurf wird häufig von Medien und Politik erhoben. Ohne zu prüfen, denn Vorwürfe gegen die DDR sind per se glaubwürdig. Werden geglaubt und sind oft erstunken und erlogen. Matthias Krauß hat die Schulbücher der DDR durchforstet und gefunden, dass der Völkermord an den Juden sehr wohl und ausführlich Thema im Unterricht war. Doch wurde das Wort Holocaust nicht verwandt.
Der brandenburgische Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg, geboren in Argentinien, aufgewachsen und ausgebildet in der Bundesrepublik Deutschland. Ein Wessi durch und durch also, zuständig für die Aufarbeitung des “DDR-Systemunrechts”, hat das Buch am 20. März 2007 vorgestellt. Seine Worte zeigen seine Überraschung: Der Autor habe den Vorwurf, das Schulsystem der DDR sei antisemitisch gewesen, und das “Klischee der mangelnden Aufarbeitung der NS-Zeit” widerlegt. Er fügt an: “ein bei Wessis verbreitetes Klischee”.

Über die DDR ist während 40 Jahren Bundesrepublik einiger Scheiß in die Hirne von Kindern und Erwachsenen gepflanzt worden. Es kann einen kaum noch etwas überraschen. Aber mangelnde Aufarbeitung der NS-Zeit in der DDR? Gibt es nicht noch den anderen Vorwurf des verordneten Antifaschismus? Vielleicht sind Generalstaatsanwälte, die das DDR-Systemunrecht bewerten sollen, ja eine besondere Sorte und sie legen wenig Wert auf die Untersuchung von Fakten? Und Widersprüche fallen ihnen nicht auf? Aber wahrscheinlich ist es einfach nur so, dass Ideologie nur bei anderen auffällt, bei einem selber nicht.

Dieser Generalstaatsanwalt Rautenberg tut so, als sei die Beschäftigung mit dem Thema in Westdeutschland gute Tradition. Das ist schon irrwitzig, denn er ist nicht etwa ein Jungspund, der in den 90ern die Schule besuchte und da vielleicht etwas über den deutschen Faschismus erfuhr – der in den Schulmaterialien so nicht genannt wird, sondern Nationalsozialismus, das passt besser zur Totalitarismusdoktrin – sondern er ist Jahrgang 53. Ein Jahr älter als ich. Ich könnte ihn also in den Zeugenstand rufen, um zu bezeugen, dass der deutsche Faschismus wie der spanische, griechische, portugiesische auch, kein Thema war im Unterricht war. Die Ausnahme meines Geschichtslehrers, der den Lehrplan verließ und ohne auf Materialien zurückgreifen zu können, uns Realschülerinnen von Judenverfolgung und KZ, von Hatz gegen Andersdenkende und Krieg erzählt hat, bestätigt nur die Regel.

Über den deutschen Faschismus habe ich das erste gelernt, als ich mich an der Uni politisch engagierte und anfing die einschlägige Literatur, die es in Westdeutschland auch gab, zu lesen. Die Bücher erschienen in linken Kleinverlagen, das Großbürgertum, bis zum Hals in den Faschismus verstrickt, mochte diese Sachen nicht veröffentlichen. Und als ich zum ersten Mal die DDR besuchte, war ich erschüttert darüber, wie zentral das Thema dort und wie verschämt und kleingeistig es bei uns behandelt wurde. Und dass Ross und Reiter, also die Täter, die Nutznießer, die Kriegsgewinnler, die Finanziers und Unterstützer Hitlers genannt wurden. In wessen Interesse war der Faschismus? Diese Frage wurde nur in der DDR gestellt, in Westdeutschland und im vereinten Deutschland ist sie ein Tabu.

Was hat also Rautenberg über den Faschismus, oder, wenn es ihm mehr behagt, über den Nationalsozialismus, in der Schule gelernt? Vermutlich so wenig wie ich. Und was hat er während seines Studiums gemacht? Bis zum ersten Staatsexamen brauchte er zehn Semester, da müsste doch ein wenig Studium Generale drin gewesen sein! Aber wer keinen Kontakt zu linken Szene hatte, hatte es nicht leicht, Zugang zu diesem Thema zu finden. Und vielleicht war er ja sogar in einer Burschenschaft und dort war der deutsche Faschismus kein Thema, jedenfalls kein Thema für Kritik.

P.S.: Die DDR nannte den Völkermord in der Tat nicht Holocaust, sondern Völkermord. Der Begriff kam über das Amerikanische nach Westdeutschland, hauptsächlich über den Fernsehmehrteiler “Holocaust – die Geschichte der Familie Weiß”. Das war in den achtziger Jahren und führte in der westdeutschen Gesellschaft zu großem Erschrecken und in Teilen zu der Forderung, man solle dieses Thema doch endlich begraben (wo es das Licht der Welt doch gerade erst erblickt hatte). Da hatte es in der DDR schon ganze Bücherregale gefüllt und viele Rollen Film. Die DEFA-Produktionen sprechen eine beredtes Zeugnis davon.

Advertisements

Rezension der Medienbroschüre bei der rationalgalerie von Uli Gellermann

Danke für die Rezension, die so beginnt (im Übrigen ist gibt es einen sehr empfehlenswerten Newsletter der rationalgalerie mit den neuesten Artikeln, die meist einen erfreulichen Beitrag zum Tag leisten):
REALOS GUT – FUNDIS BÖSE
Die Linkspartei im blinden Medienspiegel

Autor: U. Gellermann
Datum: 29. November 2012

Früher, als die CDU-CSU noch auf der Jagd nach dem “Rotfunk” war, da wurden die Beiträge der linksverdächtigen öffentlich-rechtlichen Anstalten noch mit der Stoppuhr gezählt. Im Linksverdacht stand insbesondere der WDR, aber auch die ARD mit ihrem TV-Programm war nicht unverdächtig. Also zählte man: Soviel Minuten ins Töpfchen und soundsoviel ins Kröpfchen, um dann den Intendanten die Rechnung zu präsentieren. Heute muss das nicht mehr sein: Viele der Nachrichtensendungen klingen so, als habe der Regierungssprecher sie selbst formuliert, und wer weiß?

und hier weitergelesen werden kann: http://www.rationalgalerie.de/archiv/index_2_388.html

| Verschlagwortet mit BZ -BErlins größte Zeitung, DIE LINKE, Medieboykott, Medienkritik, Personalquerelen, Rationalgalerie, Verleumden, Verschweigen | Hinterlasse einen Kommentar

Eine Partei nach ihrem Bilde – Die Linke und die Medien

  • „Die großen Medien – vor allem die tonangebende Elite – sind Konzerne,
    die anderen Firmen ein privilegiertes Publikum ‘verkaufen’.
    Es kann insofern nicht überraschen,
    wenn das von ihnen präsentierte Bild der Welt
    die Sichtweisen und Interessen der an diesem Handel Beteiligten widerspiegelt.“
    Noam Chomsky

„Die Linke wird im Westen auf die zwei Prozent Bodensatz absinken, die die WASG schon hatte. Im Osten wird sie noch regionale Bedeutung haben, bis die letzten DDR-Nostalgiker wegsterben. Und dann hoffentlich im Sumpf der Geschichte versinken“, schreibt der Bayernkurier am 26.5. 2012 und bringt damit am klarsten zum Ausdruck, was die Herrschenden in diesem Land sich für die Linke wünschen. Wünschen? Es geht sicherlich nicht nur ums Wünschen. Es geht darum, für welches Ziel alle Hebel in Bewegung gesetzt werden. Die Kommunistische Plattform formuliert: „Es geht unseren politischen Gegnern nicht mehr in erster Linie darum, uns permanent Anpassungsdrücken auszusetzen und uns möglichst zu ‚entzaubern‘. Es geht mittlerweile um Liquidationsprozesse, da die Herrschenden aufgrund ihrer eigenen Lage prinzipiellem Widerstand die strukturellen Möglichkeiten nehmen wollen.“ Hinzuzufügen wäre: es geht um beides, Anpassungs- und Liquidationsdruck.

Albrecht Müller (NachDenkSeiten) äußert sich in der Jungen Welt vom 8.6.2012 ähnlich: „Ich habe mich mal in die Lage jener versetzt, die dafür sorgen sollen, dass in Deutschland die linke Hälfte der Gesellschaft nie wieder politisch wirksam wird. Wenn man genug Geld hat, kann man das planen: Da werden zum Beispiel PR-Agenturen und Kontakte zu Medien eingesetzt, um öffentliche Meinung zu steuern. Continue reading

Die Auslieferung von Julian Assange an die USA muss verhindert werden!

von Christel Buchinger

Aufruf zur Demonstration: Montag, 20. August 2012, 17 Uhr vor der britischen Botschaft, Ecke Wilhelmstraße/Unter den Linden

Ecuadors souveräne Entscheidung respektieren! Großbritannien muss Assange ausreisen lassen! Die Auslieferung von Julian Assange an die USA muss verhindert werden!

Die Republik Ecuador hat Julian Assange Asyl gewährt. Alle südamerikanischen Mitglieder des Staatenbundes UNASUR und die Alba-Staaten haben sich hinter Ecuador gestellt. Es geht und es ging nicht darum, eine Strafverfolgung wegen sexueller Nötigung zu verhindern, sondern eine Auslieferung an die USA zu abzuwenden. Die Regierung Großbritanniens weigert sich, ihn ausreisen zu lassen und hat sogar damit gedroht, den Botschaftsstatus aufzuheben und die Räume zu stürmen, wovon sie aber offenbar abgerückt ist. Dies wäre ein klarer Bruch jeglicher Normen des Völkerrechts und Ausdruck ungeheurer kolonialer Arroganz gewesen.

Whistleblowing – das Öffentlichmachen von Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen, ist ein legitimer Bestandteil des Widerstands gegen Krieg und Ungerechtigkeit in der Welt. Ein Rachefeldzug der US-Justiz gegen Julian Assange muss verhindert werden. Wikileaks braucht unsere Solidarität!

Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, treffen wir uns

Montag, 20. August 2012, 17 Uhr

vor der britischen Botschaft, Ecke Wilhelmstraße./Unter den Linden
Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Sind die Medien schuld? Die Linke sollte nicht auf sie setzen!

von Christel Buchinger

Boykottieren die Medien die Linke?

Wahlen und Wahlprognosen sind die Ergebnisse für die Linke nicht hoffnungsvoll. Viele Mitglieder und RepräsentantInnen führen dies (auch) auf einen in letzter Zeit deutlich erkennbaren Medienboykott zurück. Wer sich die Mühe einer auch nur oberflächlichen Statistik macht, muss erkennen, dass dies stimmt: die Medien – und zwar alle – boykottieren tatsächlich und ganz offensichtlich die Partei DIE LINKE. Nur ein Beispiel: Acht bis neun von zehn Meldungen bei Deutschlandradio Kultur, die Parteimeinungen und -stellungnahmen zu unterschiedlichen Themen beinhalten, lassen – bei vollständiger Nennung aller anderen Positionen von Parteien im Bundestag – die Meinung der Linken weg. Darauf kann man wetten! Wenn es aber um die sog. Personalquerelen geht, dann berichten und kommentieren die Medien bereitwillig. Bei den Bürgerinnen und Bürgern kommt folglich nicht an, was die Linke zum Beispiel zur Schuldenkrise sagt und gleichzeitig wird das Bild einer völlig zerstrittenen Partei gemalt. Letzteres mit Unterstützung einiger Funktionäre selber. Deren Motivation zu solchem Tun wäre gesondert zu untersuchen.

Da alle Medien daran beteiligt sind, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Erstens die Linke macht schlechte Vorschläge und sie benimmt sich schlecht und die Medien tun ihre Pflicht, belästigen die Menschen nicht mit den dummen Absonderungen der Parteifunktionäre und zeichnen ein realistisches Bild einer zerstrittenen, unfähigen Partei. Oder aber die Linke macht die richtigen Vorschläge, die sich von den Vorschlägen der anderen Parteien deutlich unterscheiden und ihr Benehmen unterscheidet sich hingegen in Wirklichkeit nicht von dem anderer Parteien. Dann müssten die Medien entweder völlig verblödet oder korrupt sein. Continue reading