Die fünfte Gewalt?

Letzten Sonntag, am 3. April wurde in SWR2 Aula ein Vortrag von Bernhard Pörksen, Medienwissenschaftler an der Uni Tübingen, ausgestrahlt. Titel: Die fünfte Gewalt. Die neue Macht der Vernetzten.
In der Ansage heißt es: “Diese digital Vernetzten verändern die Agenda und das Tempo klassischen Journalismus, sie veröffentlichen auf Blogs, Wikis, in sozialen Netzwerken, sie stürzen Politiker, bilden Protestgemeinschaften, bringen Unternehmen in Bedrängnis.” Es geht also um die Öffentlichkeit im Netz. Aber wieso eigentlich die “fünfte Gewalt”? Neben den drei staatlichen Gewalten, Legislative, Exekutive und Judikative und der sog. vierten Gewalt, den Medien, soll es also eine fünfte Gewalt geben, die durch die Kommunikation im Internet entsteht? Wird da nicht etwas verwechselt, übersehen, verdrängt?

Die drei staatlichen Gewalten existieren doch nicht aus sich selbst heraus, auch wenn das ihren Vertreterinnen und Vertretern häufig so vorkommen mag. Sie sind Gewalten, die vom “Volk” ausgehen. “Alle Staatsgewalt geht vom Volk aus”, heißt es in der Verfassung. Alle drei Staatsgewalten gehen auf die Gewalt des Volkes zurück, das allein berechtigt ist, sich eine Verfassung zu geben. Es ist das “Volk, der große Lümmel”, der sich im Internet tummelt, dort  kommuniziert, sich organisiert, nicht eine Gewalt unter mehreren, sondern DIE Gewalt. So betrachtet, ist der Vortrag in SWR2 Aula hochinteressant!

Hier der Link

Begriffliche und sonstige Verwirrungen

Zu „Endlose Akkumulation“ von Jason w. Moore in Lunapark21 Nr. 32

von Christel Buchinger

Jason W. Moore „versucht in dem (…) Text, marxistische, ökosozialistische und feministische Ansätze zu einer Synthese zu bringen“, heißt es im Vorspann zu dem Artikel „Endlose Akkumulation? – Die nicht bezahlten Quellen des kapitalistischen Reichtums“ im Lunapark21 Nr 32. Könnte eine spannende Lektüre werden.

Aber schon die ersten beiden Sätze sind verstörend. „Jede Zivilisation muss entscheiden, was wertvoll ist und was wertlos. Marxisten sprechen hier meist vom ‘Wertgesetz’“. Sollte der Autor hat vom marxistischen Wertgesetz keine Ahnung haben?. Und er merkt nicht, dass er unterschiedliche Begriffe von ‘Wert’ benutzt. Das marxsche Wertgesetz handelt vom Wert der Waren. Dieser entsteht in dem objektiven Prozess der kapitalistischen Warenproduktion durch die Arbeit. Ob die ‘Zivilisation’ das ‘entscheidet’ oder nicht. Dann vollführt er eine Pirouette: es sei kein Begriff, der sich ohne weiteres auf die Tagespolitik beziehen oder auf die Geschichte des Kapitalismus anwenden ließe. Der Wert oder das Wertgesetz lassen sich nicht auf den Kapitalismus anwenden? Auf was denn sonst? Moore will marxistische, ökosozialistische und feministische Ansätze zu einer Synthese bringen? Den marxistischen Ansatz, das deutet sich hier an, versteht er aber gar nicht.

Also geht es zum Ökosozialismus. Da will Moore zuallererst das „Credo der Moderne“, die Trennung zwischen Mensch einerseits und Natur andererseits überdenken. Überdenkt er nun die Trennung oder die Zusammenführung mit dialektischer Methode? Nein! Er überdenkt sie gar nicht, er stellt sie nur fest, aber nicht in ihrer Widersprüchlichkeit sondern er konstatiert sie platt. Continue reading

Wow! Alles wird anders!

von Christel Buchinger

Auf zu den Fleischtöpfen – die Quote ist da!

Die Tore sind geöffnet, der Weg ist frei in die Hölle der Superreichen. Der oberen Zehntausend. Des einen Prozent. Die Bundesregierung hat’s beschlossen, der Bundestag wird sicher folgen. 30 Prozent Frauen in die Aufsichtsräte von 100 börsennotierten Unternehmen! Endlich kann es losgehen. Wir werden reich! Continue reading

10 Prozent für die oberen zehn Prozent

von Christel Buchinger

Was ist das für eine Kapitalistenklasse? Was sind das für Kapitaleigner? Luschen! Feige Memmen! Sie lassen sich das Geschäft von ein paar hyperbezahlten Managern machen, die sich selber bedienen, zuweilen so, dass in ihren Taschen prozentual und absolut mehr landet als in den Taschen der Aktionäre. Dieweil die Kapitalfuzzis gar nicht mehr agieren, tun die Manager so, als seien sie die eigentlichen Beherrscher des Kapitals. Continue reading

Die USA sind eine Oligarchie…

und Obama ist eine Marionette?

Ein paar Fakten?

In den letzten Jahren ist 95 Prozent des Zuwachses an Reichtum in den Taschen des obersten 1 Prozent gelandet. Damit stehen die USA an der Spitze der Ungleichheit von Reichtum und Einkommen weltweit. Es leben mehr Amerikaner in Armut als zu irgendeinem Zeitpunkt vorher. 49 Millionen Amerikaner und Amerkanerinnen, 16 Millionen Kinder darunter, sind auf Suppenküchen angewiesen.
150 Millionen US-Amerikanerinnen und -Amerikaner besitzen heute weniger als die 400 Reichsten. Ein Prozent der Bevölkerung besitzt 38 Prozent aller Vermögen und zwei Drittel der Bevölkerung, fast siebzig Prozent besitzen nur 2,3 Prozent der Vermögen. Continue reading