Wettbewerb führt zu Müll – auch in der Wissenschaft!

Wissenschaftler aller Fachbereiche veröffentlichen auf Teufel komm raus Ergebnisse ihrer Arbeit in möglichst hoch angesehenen Fachzeitschriften, dafür schönen sie die Ergebnisse, zum Teil werden sie sogar gefälscht. Das ist die Bilanz der Sendung „Publizieren um jeden Preis – Qualität in der Wissenschaft“ von Anja Schrum und Ernst-Ludwig von Aster, die am 27. April 2016 in SWR 2 Wissen lief. Der Skandal, der hier zur Sprache kommt, toppt den um Theodor von Guttenberg und seine Dissertation um einiges. Aber während Guttis Fälschung rauf und runter durch die Medien ging, spielt dieses Thema kaum eine Rolle. Continue reading

Was macht Sie glauben, dass die Lebenszeit von Schülerinnen und Schülern, Studierenden, Rentnerinnen und Rentnern, von Hausfrauen, Arbeitslosen und Armen weniger wert ist?

Der Brief ging per Mail an den Geschäftsführer der regionalen Anzeigenblätter. Der Name wurde anonymisiert

Respekt?

Sehr geehrter Herr N.N.,

Sie lassen einen Werbezettel Ihres Unternehmensverbundes mit dem Aufruf „Respekt!“ von Ihren Austrägerinnen und Austrägern verteilen. Offenbar fordern Sie oder erwarten von den Empfängerinnen und Empfängern Ihrer Werbezeitungen Respekt für die Arbeit, die jene tun. Das mutet etwas befremdlich an. Glauben Sie ernsthaft, dieser Respekt würde jemandem verweigert, der oder die eine Zeitung austrägt? Ich glaube das nicht. Hingegen: Könnte es sein, dass Sie von sich auf andere schließen? Ich fühle mich gedrängt, die Frage an Sie zu richten: Haben Sie Respekt vor der Arbeit Ihrer Austrägerinnen und Austräger? Was wäre der einfachste, offensichtlichste Ausdruck von Respekt für Ihre MitarbeiterInnen? Nach meiner Meinung wäre das eine ordentliche Bezahlung. Ich erinnere mich jedoch, dass noch kürzlich die Zeitungsverlage bei der Diskussion um den Mindestlohn von 8,50 Euro ein großes Geschrei erhoben, es drohe der Konkurs von Zeitungen, dadurch werde gar die Pressefreiheit beschädigt, Arbeitsplätze vernichtet. Sie und Ihre Mitstreiter haben sich durchgesetzt. Der Mindestlohn für ZeitungsausträgerInnen wurde in unverschämtem Umfang vermindert. Continue reading

Der Tiergarten in Berlin wird eingezäunt

Angeblich aus Terrorangst soll der Tiergarten in Berlin bis zur WM 2014 eingezäunt werden. Die Zugänge könne man dann gut kontrollieren. Prima! Alles Schöne wird eingezäunt. Bestimmt gibt es noch weitere Plätze, die man wegen Terrorgefahr einzäunen könnte. Stockholm und Paris warnen, die Vorstädte könnten auch in Deutschland unsicher werden. Zäune halten das Gesindel draußen. Die immer unzufriedenen Asylanten, die Faulenzer mit Hartz IV, die Tage- und Sonstwas-Diebe. Aber wäre es nicht viel effizienter, die Armenviertel einzuzäunen? Hohe Drahtverhaue, doppelte, wenn’s geht. Wachmannschaften patrouillieren lassen. Mit Hunden. Deutschen Schäferhunden. Nur wenige Checkpoints. Wer zur Arbeit will oder von der Arbeit kommt, darf rein oder raus. Die andern bleiben drin.
Wenn die Drohnen funktionieren würden, könnte man Mannschaften einsparen. Drohnen sind auch deshalb viel besser, weil, wenn sie jemanden abknallen – versehentlich – muss niemand vor Gericht.
Gated Communities mal anders: nicht die Reichenviertel einzäunen, sondern die Armenviertel. Schaut nach Israel, da geht das doch auch. Die Kosten können in den Armenghettos driekt eingespart werden. Schulen und Kindergärten sind überflüssig für das Gesocks. Bibliotheken dann natürlich auch. Nur Lidl, Aldi und Kik. Achja und MediaMarkt für die ganz Blöden.

Die Vernunft gebiert Ungeheuer

Veröffentlicht am April 26, 2013 von christelbuchinger

zum Beispiel der irrwitzige Glaube bzw. die irrwitzige Ideologie, erst die Teilnahme an Erwerbsarbeit mache den Menschen zum vollwertigen Mitglied der Gesellschaft” (gilt auch noch heute noch in seiner absoluten Form nur für Männer; Frauen werden nach dieser Vorstellung eh nie vollwertig)

So gesehen im S-Bahnhof Ostkreuz, Berlin: ein älterer, nein, ein ziemlich alter Mann, dem Aussehen nach um die 65, kehrt die Treppen und pickt mit einem Gerät Papier von den Stufen. Entweder er ist alt und arm, bekommt wenig Rente und muss sich was dazu verdienen. Oder er ist Hartz IV’ler und vom Jobcenter zum Ein-Euro-Job bei der Bahn verdonnert?
Ich frage mich, wieso dieser Mann seine restliche Lebenskraft und seine Lebenszeit nicht in seinem Garten verbringt? Seine Beete pflegt, einen Reisighaufen für Igel aufschichtet, Bohnen pflanzt und Äpfel erntet. Das wär für ihn selber besser, für seine Frau und seine Kinder und Enkel und – weil Kleingärten für die Stadtökologie sehr wichtig sind – auch für die Gesellschaft. Also warum, zum Teufel, muss er die S-Bahnsteige fegen?

8. März – Internationaler Kampftag für die Rechte der Frauen…

von Christel Buchinger

„In den zwölf Monaten seit dem 25. Januar 2011 hat sich etwas Grundlegendes verändert,
jedoch nicht auf der Ebene der Rechte und der Politik
oder der vieldiskutierten Pläne der Frauengruppen,
Frauen politisch einzubeziehen und ihnen zu mehr Macht verhelfen.
Die wirkliche Veränderung geht viel tiefer:
Wir haben unsere Stimme wiederentdeckt, unsere Identität; und wir haben verstanden,
dass nur wir selbst unsere Rechte erstreiten können
und nicht darauf warten sollten, bis sie uns irgendjemand gewährt.“
Yasmine El Rashidi in Le Monde Diplomatique 2/2012

8. März – Internationaler Kampftag für die Rechte der Frauen…

… das war gestern. Heute heißt er „Weltfrauentag“ und wird selbst von Linken so kämpferisch begangen wie der Weltspartag von den Banken. Die Fraktionen der LINKEN im Bundestag und im Berliner Abgeordnetenhaus geben sich ganz postmodern und veranstalten gar gemeinsam am Weltfrauentag den 3. Queer-Empfang. Die soziale Dimension der Geschlechterfrage wird so elegant und modern entsorgt. Die Europäische Union hingegen beschäftigt sich am 9. März im Europäischen Haus mit dem Thema „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Für DIE LINKE scheint das Thema offensichtlich zu ausgelutscht und zu wenig sexy zu sein.

Allerdings sollte nicht unterschlagen werden, dass die EU den sog. Gender Gap (Geschlechterunterschied) bei der Bezahlung zwar ständig kritisiert, ihn jedoch durch Absenkung der Erwerbseinkommen der Männer zu erreichen trachtet und dabei auch schon erkleckliche Erfolge einfahren konnte. Oder glaubt irgendwer, es stünde den Oberen der Sinn danach, Menschen mehr zu bezahlen, nur weil sie Frauen sind? Wo doch sonst ihr ganzes Trachten darauf gerichtet ist, allen immer weniger zu bezahlen!

Ähnliches geschieht bei der Arbeitszeitverkürzung: Frauen verkürzen ihre Arbeit selber, sie gehen auf Teilzeit. Sie tun das nicht unbedingt freiwillig, sondern sie versuchen auf diese Weise, Erwerbsarbeit mit den anderen Lebensbereichen zu vereinbaren, und bezahlen dafür mit schlechtem Lohn und Karriereverzicht. Aber die Teilzeitarbeit steigt auch bei Männern an. Hartz IV zwingt diejenigen, die ihre Arbeitskraft zu Markte tragen, Männer wie Frauen und jede queere Person ebenso, für noch so kläglichen Lohn zu arbeiten. Das geht nur mit Zwang. Freiwillig ist keiner so blöd. Also werden die sozialen Sicherungssysteme Schritt für Schritt zerstört, die Entlassungen erleichtert, die auf Stütze Angewiesenen erstens verhöhnt und zweitens der Grundrechte beraubt, zum Beispiel des Rechts auf Berufsfreiheit, das ab jetzt nur noch diejenigen haben, die nicht gezwungen sind, ihren Unterhalt durch Lohnarbeit zu erwirtschaften. Auf diesem Weg erreichen wir schließlich die Gleichstellung von Frauen und Männern.

Statt sich am Internationalen Frauentag mit einem Queer-Empfang stylisch in Szene zu setzen, stünde es der LINKEN gut an, das Thema Arbeitszeitverkürzung auf die Tagesordnung zu setzen. Continue reading

Platz für Alpha-Mädchen!?

von Christel Buchinger

Es gibt keine reine Wahrheit, aber ebenso wenig einen reinen Irrtum.

Friedrich Hebbel

Platz für Alpha-Mädchen!? oder die verzwickte Geschlechterfrage

Dass in den Vorständen und Aufsichtsräten der deutschen DAX-Unternehmen die Herren der Schöpfung weitgehend unter sich sind, ist auch ein Ausdruck dafür, dass Frauen in Deutschland nicht die gleichen Chancen haben wie Männer. Es ist sogar ein sehr auffälliger Ausdruck dafür. Und die Statistik zeigt offensichtlich, dass es die Alpha-Mädchen, die in die oberen Etagen drängen, ungleich schwerer haben, sich erfolgreich einen Platz zu erobern, als beispielsweise Chemikerinnen eine Professur zu ergattern. Töchter haben es dank öffentlicher Förderprogramme heute einfacher, Vatis Mittelbetrieb zu übernehmen, als Managerinnen einen Vorstandsposten zu erjagen. Das macht viele Ladies ärgerlich. Einige von ihnen sind selber durch die Frauenbewegung geprägt, auf andere hat sie abgefärbt. Insbesondere lockt mit diesen Posten ja Einfluss und vor allem Geld. Da wird man schon mal egalitär, auch wenn man ansonsten nicht unbedingt für Gleichheit eintritt. „Seit über 60 Jahren gilt in Deutschland laut Grundgesetz, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind. In der Realität ist die Gleichstellung allerdings noch lange nicht verwirklicht. Die anhaltende Benachteiligung von Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen steht damit im Widerspruch zu unserem Grundgesetz und zu internationalem Recht.“, erklären Politikerinnen und Unternehmerinnen Ende letzten Jahres zu Recht in der Berliner Erklärung. Etwas verwunderlich für all diejenigen, die seit dreißig oder fünfzig Jahren für Gleichberechtigung kämpfen, erscheint, dass der „erste Schritt“ ausgerechnet „eine Quote bei den Aufsichtsräten der börsennotierten, mitbestimmungspflichtigen und öffentlichen Unternehmen“ sein soll. Aber gut, man greift auf, was einem am nächsten liegt. Das ist bei den Aufruferinnen durchaus nachvollziehbar die Aufsichtsratsquote. Continue reading