Ramstein: Hundeverbot bei Demonstration?

Ramstein ist die größte Airbase der USA außerhalb ihres eigenen Territoriums. Die wenigsten Menschen in Deutschland sind sich dessen bewusst. Ich ernte jedenfalls meist, wenn nicht immer Erstaunen, wenn ich davon berichte. 2009 bin ich, sind wir, mein Mann und ich aus der Einflugschneise der Airbase – die riesigen Galaxy-Transportmaschinen flogen über unser Dach in gefühlt greifbarer Höhe – aus der Gegend weggezogen.

Letzten Samstag habe ich seit langem wieder gegen die Airbase demonstriert. Diesmal waren wir nicht fünfzig Leute, sondern 1000 oder 1500. Viele junge Leute, viele Menschen, die man auf Demos nicht erwartet hätte, ein paar Paradiesvögel, Künstler, Menschen mit Hunden. Aus Ramstein waren wahrscheinlich wie immer wenige dabei. Man arbeitet auf der Airbase und vermietet an Amis. Am Krieg ließ sich auf für manch Kleinen schon immer was verdienen.

Gleich zu Beginn war meine Teilnahme fast beendet. Ein Polizist sprach mich an: “Mit Hund können Sie nicht an der Demonstration teilnehmen.” Continue reading

Volkswagen – Wer bezahlt?

von Christel Buchinger

18 Milliarden Euro Strafe für VW! Wegen eines kleinen Pfuschs bei der Abgasbestimmung. Ein Kavaliersdelikt. Oder? In Deutschland hätte danach kein Hahn gekräht. Aber die Amis machen Palaver! 18 Milliarden! Da hat auch ein Weltkonzern dran zu knabbern. Eine Schlappe für Winterkorn und ein Schlag für die Aktionäre. Aber auch für den Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Osterloh, nicht wahr? Osterloh wollte doch helfen, so hieß es, den VW-Konzern zum weltweiten Marktführer zu machen. Das ist zwar nicht die Aufgabe eines Betriebsrats, dieser sollte sich um die Interessen der Beschäftigten kümmern. Der Betriebsrat bei VW ist aber so gut integriert und so hoch identifiziert und dotiert, dass er die Interessen von Konzern und Beschäftigten gar nicht mehr auseinanderhalten kann. Und so wollte Osterloh helfen, indem er die Beschäftigten dazu bringt zu helfen, VW zum weltweiten Marktführer zu machen. Und die Beschäftigten? Die machen mit.

Das ist nämlich ein weiterer Effekt der Hartz 4 Gesetze: die Angehörigen der Kernbelegschaft können „ihren“ Betrieb nicht mehr verlassen, ohne massive Lohneinbußen zu riskieren. Gefesselt an den Konzern, schwindet ihre Verhandlungsmacht. Als nützliche Zwerge schwindet auch ihr Selbstbewusstsein. Und es setzt so etwas ein wie der „Stockholmeffekt“. Die Identifizierung mit dem Konzern ist nicht psychisch gesund. Sie setzt eine erkleckliche Selbsttäuschung voraus.

Keine zwei Monate ist es her, dass der Volkswagenkonzern in Wolfsburg und der Gesamtbetriebsrat von VW eine Vereinbarung über eine „effizientere Arbeits- und Prozessorganisation“ getroffen haben. Unter Begriffen wie „Kampf der Verschwendung“, „schneller und innovativer“, „effizientere Abläufe“ sollte die Ausbeutung der Belegschaft verbessert werden, was sonst? Natürlich ging es auch um höhere Arbeitszufriedenheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz, so die Fensterreden.

Jetzt wissen Osterloh und die fleißigen Beschäftigten, dass ihre Bemühungen wenigstens dazu gut sind, die Strafe in den USA zu bezahlen. Was muss passieren, damit sie begreifen, dass sie alles bezahlen?

Wer baute das siebentorige Theben? In den Büchern stehen die Namen von Königen. Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt?

Bert Brecht