Ei, da können sich die Sexkäufer aber freuen, …

…denn: „Freier sind nicht das Problem“!

Die Junge Welt tut sich ansonsten ja nicht besonders hervor in der Diskussion um Prostitution. Wenn es aber Veröffentlichungen gibt, sind sie eher auf der Seite jener Neoliberalen, die für die Freiheit der Prostitution streiten, natürlich in Form des Kampfes für die Freiheit der Prostituierten. Den Freiheitskampf für die Prostitution lässt sich die Junge Welt gerne von einer Frau bzw. gleich von zweien führen, von der Autorin des Buches und der Rezensentin.

Dass Deutschland nicht nur das weltweite Zentrum der Prostitution geworden ist, sondern auch das Zentrum des damit zusammenhängenden Frauen- und Kinderhandels und der Versklavung, dass damit hier Abermilliarden verdient werden, dass Unternehmen, ja ganze Konzerne, „natürlich“ überwiegend in Männerhand, sich der Ausbeutung der Sexarbeiterinnen und der Sexsklavinnen widmen, ist für die Autorin und die Junge Welt offenbar kein Problem. Vielleicht erinnert sich einer der Redakteure daran, dass Marx bei Arbeiterinnen und Arbeitern von Lohnsklaven sprach? Weil der Verkauf der Arbeitskraft freiwillige Sklaverei ist, Zeitsklaverei sozusagen. Aber die Sexarbeiterinnen arbeiten freilich selbstbestimmt, ja?

Schnell wird auch das Verbotsschild zur Prostitutionslobby aufgestellt. Über deren Existenz soll am besten nicht geredet werden, so wenig wie über Verschwörungen, wo man sich die Kennzeichnung als VerschwörungstheoretikerIn einhandelt. Schnell wird deshalb der Verdacht genährt, die Kritikerinnen wollten die Freiheit der Frauen einschränken, träten für prüden Sex ein und kleideten sich geschmacklos. Wie überhaupt Kritikerinnen der Prostitution nur mit Häme zu rechnen haben.

Die skandinavische Herangehensweise wird nicht einmal erwähnt. Nein, „ein Kampf gegen die Prostitution ist immer einer gegen die Ausübenden“. Allein diese Aussage ist geeignet, das Buch und die Rezension dem Bereich der Propaganda zuzuordnen.
Die Schwedinnen und Schweden haben hingegen darüber nachgedacht, was das für Geschlechterverhältnisse sind, in denen Männer bei Frauen Sex kaufen. Denn der Handel ist immer einseitig. Die Frauen brauchen das Geld zum Leben und die Männer haben es übrig.

Und die Männer bei der Jungen Welt, die Redakteure und Mitarbeiter? Wie fühlt Ihr Euch in einer Welt, in der nicht wenige Männer sich Sexsklavinnen auf Zeit kaufen, gegen Geld vergewaltigen? Habt Ihr kein Bedürfnis, Euch von diesen Typen abzugrenzen? Oder gehört ihr dazu? Ein bisschen mehr Dissidenz in der Geschlechterfrage und Distanz zu euren Geschlechtsgenossen würde Euch gut tun! Sofern Ihr das hinkriegt.

Christel Buchinger und Thomas Hohnerlein
Medelsheim/Saar

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