Wow! Alles wird anders!

von Christel Buchinger

Auf zu den Fleischtöpfen – die Quote ist da!

Die Tore sind geöffnet, der Weg ist frei in die Hölle der Superreichen. Der oberen Zehntausend. Des einen Prozent. Die Bundesregierung hat’s beschlossen, der Bundestag wird sicher folgen. 30 Prozent Frauen in die Aufsichtsräte von 100 börsennotierten Unternehmen! Endlich kann es losgehen. Wir werden reich!

Schon lange wissen wir es, unsere Vorfahrinnen wussten es auch: durch Arbeit wird man niemals superreich. Allenfalls durch eine Erfindung, aber auch das nur selten. Meist verdienen erst die Erben so richtig daran. Auch ohne Piketty’s „Kapital“ wussten wir längst, dass Reiche fast automatisch immer reicher werden. Seit Piketty wissen wir nun aufs Komma genau, wie es funktioniert, wir kennen die gewissenhaft zusammengetragenen Zahlen. Er zeigt uns, wie es läuft und wie es gelaufen ist, von Anfang der Kapitalherrschaft bis heute.

Frauen wurden jahrhundertelang nur reich, wenn sie Töchter, Enkelinnen, Nichten, Schwestern von Geldsäcken waren. Auch da gab es natürlich keine Gleichberechtigung, die männlichen Nachfahren bekamen in der Regel mehr. Die schöne Ausnahme von der Regel trat, wie auch bei feudalen Herrscherhäusern, beim Geldadel ein, wenn er ohne männlichen Nachwuchs blieb. Dann kamen auch superreiche Frauen heraus. Bei den Quandts zum Beispiel.

Ja, und dann gab und gibt es noch die Ehefrauen. Das war die Chance der weniger Glücklichen, das Schlupfloch in die Welt der Reichen: Heirat. Aschenputtel Brigitte Bardot heiratete den Prinzen Gunter Sachs. Die Geschichte vom Gänseliesel. Glück und gesellschaftlicher Aufstieg. Meistens klappte es dann doch nur halb, wenn der echte Geldstallgeruch fehlte. Die Bardot ist von Sachs längst geschieden und ich glaube, keine Superreiche geworden. Aber, was ist das auch für eine Perspektive! Gunter Sachs war noch jung und knackig, wenn auch nicht sehr schön. Aber Bill Gates ist verheiratet und wenn er es nicht wäre, wer möchte schon Bill Gates heiraten? Der volle Körpereinsatz, wenn man reich werden will, hat doch immer was Ekliges. Und die notwendige Zwischenstation „Filmstar“ oder wenigstens „Sternchen“ ist ja auch nicht jeder gegeben. Da ist die Quote schon was anderes. Und weniger von der Natur beschenkte Schwestern haben auch eine Chance.

Nun können wir aus den Statistiken von Thomas Piketty entnehmen, dass Vermögen Vermögen generiert und die Volksweisheit sagt uns: die erste Million ist die am schwersten verdiente. Einkommen, das nicht Vermögenseinkommen ist, muss ja erst Vermögen werden, um sich dann von ganz allein, bzw. durch kluge Investitionen und ein paar hundert oder tausend knechtende, schlecht bezahlte Angestellte zu vermehren. Wahrscheinlich werden wir es also in die Spitzengruppe der 100 reichsten Männer und Frauen nicht schaffen. Aber wenn man der bürgerlichen Presse mal was glauben darf, dann kommt es gar nicht so selten vor, dass vom eingefahrenen Gewinn eines Konzerns der Teil, der an das Spitzenmanagement geht, größer ist, als der gesamte Anteil der Aktionäre. Sowas gibt es! Sie sitzen halt an den Hebeln. Da säßen wir dann auch. Wer an den Hebeln sitzt, hat einen guten Zugriff. Das machten uns die Herren Komsomolzen beim Zusammenbruch des Sozialismus vor. Wer den schnellsten und entschlossensten Griff nach dem Volkseigentum tat, wer am gewissenlosesten und am raffgierigsten war und keinen Betrug und kein Verbrechen scheute, konnte sehr, sehr reich werden. Der schnelle Zugriff, das rücksichtslose Spiel, das hat doch was! Erben kann jede!

Ihr traut uns diese Rücksichtslosigkeit nicht zu? So ein Quatsch! Es gibt genügend Geschlechtsgenossinnen, die zeigen, dass sie keine Skrupel haben. Condoleeza Rice? Margret Thatcher? Victoria Nuland? Cathrin Ashton? Julija Timoschenko? Und unsere Merkel?

Merkel wird als Kanzlerin nicht reich, ist der Einwand. Stimmt. Noch nicht. Schröder ist jedenfalls gut versorgt. Sitzt er nicht sogar in Aufsichtsräten? Die Kanzlerin wird es auch sein. Und das ist der ganze Kommher: einige unserer Schwestern, die in den Parlamenten knechten, die grünen, schwarzen und rosaroten, vor allem aber die grünen,wollen doch nach dem Darben im Parlament an die Fleischtöpfe in den Aufsichtsräten. Dafür müssen Posten her. Die sind jetzt in greifbarer Nähe.

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2 thoughts on “Wow! Alles wird anders!

  1. Mich interessiert herzlich wenig, ob ich von einer Frau oder von einem Mann ausgebeutet werde, die/der im Aufsichtsrat eines Börsen notierten Konzerns Sitz und Stimme hat, ob eine Frau oder ein Mann diese oder jene Massenentlassung oder die Verweigerung eines Mindestlohnes anordnet. Besser: 1. Eine verbindliche (!) Quotenregelung, die für alle (!) Betriebe gilt. 2. Gleiche Bezahlung von Frauen und Männern für gleichwertige Arbeit. Nur das wäre ein echter Fortschritt, eine “echte” Reform! Das andere werte ich als Polit-Placebo!

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