Nocheinmal Menschen für Menschen ….

Die Antwort von Menschen für Menschen:
Sehr geehrte Frau Buchinger, sehr geehrter Herr Hohnerlein,
vielen Dank für Ihre Email. Es tut uns leid, wenn Sie unser Bericht über den Besuch von Ministerin Aigner verärgert hat. Sie können versichert sein, dass es uns fern liegt, den parteipolitischen Wahlkampf in der Bundesrepublik zu unterstützen.
Da Menschen für Menschen sich für die ländliche Bevölkerung und damit für die Kleinbauern in Äthiopien einsetzt, war es uns wichtig der Ministerin und ihrer Delegation die Lebensrealität von Millionen von Menschen im Land zu zeigen. Rund 85 Prozent der Bevölkerung lebt als Selbstversorger vom eigenen Anbau. Unsere Organisation arbeitet gemeinsam mit den Bauern daran, die natürlichen Ressourcen zu regenerieren und die Produktivität der Kleinbauern zu steigern.

Und unsere Entgegnung:
Sehr geehrte Frau Dreyer, herzlichen Dank für die schnelle Antwort, aber nichts liegt uns ferner, als Sie zu verdächtigen, aktiv in den bundesdeutschen Wahlkampf einzugreifen. Trotzdem mutet eine BRD-Landwirtschaftsministerin, die derselben Partei wie der Bauernpräsident angehört und die beide zusammen entscheidende Personen im europäischen Subventionskartell sind, gelinde sagt, befremdlich an, sobald es um die Würdigung eines Projektes für kleinbäuerliche Existenzen in Äthiopien geht. Natürlich muß der hohe Prozentsatz selbstversorgender Bauern in Äthiopien mindestens gehalten werden und es ist nichts dagegen zu sagen, wenn die agrarindustrielle Lobby sich das gut ansieht. Vielleicht ist der bei dieser Gelegenheit ja die Einsicht zu vermitteln, dass Landverkäufe oder – verpachtungen kein probates Mittel gegen drohende Hungersnöte oder strukturellen Hunger sind (wie es die Weltbank glauben machen will). Aber glauben Sie daran im Ernst?
Es gibt viele Beispiele auf der Erde, wo kleinbäuerliche Existenzen zerstört werden um Platz für die „effizienten“ Großplantagen zu machen. Ob das alles vorher mühsam und mit viel Liebe und Engagement gefördert und aufgebaut wurde, interessiert dabei kaum noch jemanden. Nach Jean Ziegler, ich zitiere, „macht sich selbst Äthiopien an die Entfremdung seines Bodens. Fast 1,6 Millionen Hektar Land hat es Investoren überlassen, die dort Zuckerrohr und Ölpalmen anbauen wollen. Bis Juli 2009 haben 8420 einheimische und ausländische Investoren die erforderlichen Genehmigungen erhalten. Der mächtigste Agrarinvestor ist der saudische Multimilliardär Mohamed Al-Amoudi. Seine saudische Star Agricultural Development Company besitzt viele tausend Hektar in einigen der seltenen wirklich fruchtbaren Regionen Äthiopiens – in Sidamo und Gambella. Er schickt sich an, dort noch weitere 500000 Hektar zu erwerben, um Zuckerrohr zu pflanzen, das für die Gewinnung von Bioethanol bestimmt ist. Auf den riesigen Ländereien des saudischen Scheichs lebten zahlreiche Kleinbauernfamilien aus dem Volk der Nuer, einer uralten, großartigen, nilotischen Kultur. Die äthiopische Armee vertrieb die Nuer mit Waffengewalt. Wohin? In die mörderischen Kanisterstädte von Addis Abeba und Harar-Gué“. Soweit Zieglers Bericht.
Und Sie sind sicher, die richtigen Gäste bei sich empfangen zu haben? Unseres Erachtens wäre das beste für Sie zu erwartende Ergebnis, dass Frau Aigner und ihr Kollege von der hessischen CDU bei Ihnen ein wenig folkloristische heile Welt gefunden haben, die hoffentlich die Weltbank und das Agrobusiness noch ein wenig unangetastet lassen. Und das halten wir, mit Verlaub für naiv. Sie ärgern uns nicht. Es läßt vielmehr verzweifeln, wenn mit so viel Mühe geschaffene Projekte von den Machern gegenüber den Heuschrecken nicht wenigstens in Form sehr kritischer Fragen verteidigt werden und man denen zu erkennen gibt: wir wissen, wer ihr seid und wo es hingehen soll. Ihr werdet uns im Interesse der Menschen hier vor Ort zum Gegner haben, wenn ihr uns nicht so unterstützt, wie diese Menschen es verdient haben: durch Bewässerungsanlagen, Traktoren, Zugtiere, Dünger usw. Eine solche Berichterstattung würde sich in Ihrem Magazin auch wesentlich besser machen und uns zur Freude gereichen.

Mit besten Grüßen aus Berlin

Thomas Hohnerlein und Christel Buchinger

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