Auf dem rechten Auge blind?

Deutsche Geheimdienste sind für den Kampf gegen Linke und Gewerkschaften gegründet worden und sie haben ihre Ziele nie geändert.

1992 flog Gladio, die Nato-Geheimorganisation, in Italien auf. In der Folge wurden ähnliche Strukturen in ganz Westeuropa festgestellt und es kam zu einigen, wenn auch unzureichenden Skandalen. 2008 veröffentlichte Daniele Ganser seine umfangreiche Untersuchung zu den antikommunistischen Nato-Geheimarmeen. Land für Land zeigt er die Verstrickung von Militär, Geheimdiensten und rechtsradikalen Untergrundgruppen. Sie sind mehr oder weniger auf den Kampf gegen Linke und linke Entwicklungen in Westeuropa ausgerichtet. In Deutschland reichte es 1992 dem damaligen bundesdeutschen Parlament aus, dass die Bundesregierung auf die Frage der Fraktion DIE GRÜNEN nach Gladio in Deutschland völlig cool erklärte, Gladio würde aufgelöst oder wäre aufgelöst. Das waren im Taumel über den Sieg über das Reich des Bösen im Osten offenbar alle geneigt zu glauben. Aufgelöst?

Pleiten, Pech und Pannen?

Wer Gansers Buch gelesen hat, wird die Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen, die uns von der Presse über den NSU-Skandal vermittelt wird, keine Sekunde lang geglaubt haben. Das Unglaubliche, nicht Nachvollziehbare wird völlig verständlich und klar, wenn man davon ausgeht, dass Gladio 1992 nicht aufglöst wurde und dass die Allianz zwischen geheimen Militärgruppen, Verfassungsschutzämtern, militärischem Abschirmdienst und den Spitzen von BKA und LKAs einfach weitergeführt wurde. Dann erklärt sich, warum der NSU so gut bewaffnet war, warum er von den Verfassungsschutzämter mehrerer Bundesländer geschützt wurde, warum die Polizeiermittlungen regelmäßig in Sackgassen geführt wurden und Ermittler ausgetrickst. Dann versteht man, wieso der Verfassungsschutz Millionen ausgibt, die Nazigruppen und –parteien zugute kommen.

Wo bleibt der Aufschrei?

Im Parlament und den Medien wird darüber diskutiert, ob man oder dass man die NPD verbieten müsse, damit keine Steuergelder in eine Nazipartei fließen. Lächerlich! Faktisch haben die Ämter gefährlichere Strukturen als die NPD mit Steuergeldern finanziert. Das wollen die Schnüffler nicht gewusst haben. Wer soll das glauben? Die Erwerbstätigen in Deutschland, auch die mit griechischen und türkischen Wurzeln, die Ladenbesitzer, auch die türkischen und griechischen haben mit ihrer Arbeit, mit ihren Steuern Nazis finanziert. Wo bleibt der Aufschrei?

Das Bild wird klarer

Es ist nicht einfach, diese Gedanken zu Ende zu denken. Dem Staat nicht zu trauen, ist daws Eine. Ihm alles Schlechte, Verbrecherische zuzutrauen, erfordert Mut. Man wird nicht mehr gut schlafen können. Es gibt Gedanken, die man nicht zu Ende denken kann, ohne sein Leben zu verändern. Aber was soll man tun? Zuerst mal sagen, was ist. Das ist nach Rosa Luxemburg die revolutionärste Tat. Zumindest in bestimmten Lagen.

Wolf Wetzel hat ein Buch veröffentlicht, das dem Staat das Vertrauen aufkündigt: „Der NSU-Komplex. Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund – wo hört der Staat auf?“. Es ist im Unrast Verlag erschienen und kostet 12 Euro. Daniele Ganser bleibt aktuell und das Auftauchen eines Zeugen im Prozess gegen zwei Polizeibeamte in Luxemburg, die beschuldigt werden, im Auftrag der geheimen luxemburgischen Gladio-Truppe in den 80er Jahren Bombenanschläge auf Strommasten verübt zu haben, ist besonders aufschlussreich. Er bezeugt, dass sein Vater eine zentrale Figur im europäischen Gladio-Netz war und an Anschlägen in ganz Europa beteiligt. Ein Interview findet man in der Jungen Welt vom 13./14. April 13. Und wer es realistisch und belletristisch will, kann den Thriller „Terror“ von Martin Maurer lesen, erschienen im Dumont Verlag. Aber Vorsicht: die Lektüre könnte aufgrund von Schlafstörungen das Arbeitvermögen einschränken!

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