Die Vernunft gebiert Ungeheuer

Veröffentlicht am April 26, 2013 von christelbuchinger

zum Beispiel der irrwitzige Glaube bzw. die irrwitzige Ideologie, erst die Teilnahme an Erwerbsarbeit mache den Menschen zum vollwertigen Mitglied der Gesellschaft” (gilt auch noch heute noch in seiner absoluten Form nur für Männer; Frauen werden nach dieser Vorstellung eh nie vollwertig)

So gesehen im S-Bahnhof Ostkreuz, Berlin: ein älterer, nein, ein ziemlich alter Mann, dem Aussehen nach um die 65, kehrt die Treppen und pickt mit einem Gerät Papier von den Stufen. Entweder er ist alt und arm, bekommt wenig Rente und muss sich was dazu verdienen. Oder er ist Hartz IV’ler und vom Jobcenter zum Ein-Euro-Job bei der Bahn verdonnert?
Ich frage mich, wieso dieser Mann seine restliche Lebenskraft und seine Lebenszeit nicht in seinem Garten verbringt? Seine Beete pflegt, einen Reisighaufen für Igel aufschichtet, Bohnen pflanzt und Äpfel erntet. Das wär für ihn selber besser, für seine Frau und seine Kinder und Enkel und – weil Kleingärten für die Stadtökologie sehr wichtig sind – auch für die Gesellschaft. Also warum, zum Teufel, muss er die S-Bahnsteige fegen?

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Wann beginnt der Aufstand? Estside Gallery, oder wem gehört die Stadt?

Veröffentlicht am April 26, 2013 von christelbuchinger

Nun wird ein Teil der Eastside Gallery (ein Teil der Berliner Mauer, die noch stand und von Künstlern gestaltet wurde) abgerissen. Die Proteste waren nutzlos, die Polizei hat den Abriss abgesichert.
Das war’s dann? Wieso kein Aufruf “macht hundert, macht tausen Eastside Galleries!” Und zum Beispiel das alte Haus am Mandrella-Platz in Köpenick: verlassen, entmietet, verfallend, verrammelt, verdreckt und verschmiert. Drei Eimer Farbe zur Grundierung und 10 Künstlerinnen und Künstler, begleitet von hundert Aktivistinnen und Aktivisten und los geht’s! Sprayen, singen, tanzen, spielen, welch ein Fest!

Auf dem rechten Auge blind?

Deutsche Geheimdienste sind für den Kampf gegen Linke und Gewerkschaften gegründet worden und sie haben ihre Ziele nie geändert.

1992 flog Gladio, die Nato-Geheimorganisation, in Italien auf. In der Folge wurden ähnliche Strukturen in ganz Westeuropa festgestellt und es kam zu einigen, wenn auch unzureichenden Skandalen. 2008 veröffentlichte Daniele Ganser seine umfangreiche Untersuchung zu den antikommunistischen Nato-Geheimarmeen. Land für Land zeigt er die Verstrickung von Militär, Geheimdiensten und rechtsradikalen Untergrundgruppen. Sie sind mehr oder weniger auf den Kampf gegen Linke und linke Entwicklungen in Westeuropa ausgerichtet. In Deutschland reichte es 1992 dem damaligen bundesdeutschen Parlament aus, dass die Bundesregierung auf die Frage der Fraktion DIE GRÜNEN nach Gladio in Deutschland völlig cool erklärte, Gladio würde aufgelöst oder wäre aufgelöst. Das waren im Taumel über den Sieg über das Reich des Bösen im Osten offenbar alle geneigt zu glauben. Aufgelöst? Continue reading

Feminismus wieder unter “Ferner Liefen”?

Zum Entwurf des Wahlprogramms der LINKEN

Leider ist es so, dass das, was ich 2011 geschlechterkritisch zum Programmentwurf der Linken sagte, für den Entwurf des Wahlprogramms auch noch gilt.

Wenn also die LINKE ihre Haltungen recycelt, tue ich das auch mit meinem Text. Hier ist er (veröffentlicht in Wolfgang Gehrcke (Hg), Alle Verhältnisse umzuwerfen … Eine Streitschrift zum Programm der LINKEN), PapyRossa Verlag 2011
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Die Umwälzung der Geschlechterverhältnisse und das Programm der LINKEN

Fehlt da nicht was?

– Naja, es fehlt mal wieder ein Geschlecht!
Ich höre schon den Widerspruch: stimmt doch gar nicht! Diesmal kommen Frauen relativ häufig vor; die Gleichstellung ist nicht unter den Tisch gefallen!
– Die Frauen meine ich auch nicht, ich meine die Männer!
Mein imaginiertes linkes Gegenüber protestiert sofort: „Wieso Männer? Männer sind doch immer gemeint, Männer sind doch nicht auf besondere Weise benachteiligt!“

Ach nein? Männer haben keine besonderen Probleme? Ihre Lebenserwartung ist geringer als die der Frauen, die Selbstmordrate höher, physische Gewalt geht meist von Männern aus und sie sind die Mehrzahl der Opfer. Sie sind als Homosexuelle stigmatisiert und sie bekommen nur selten Teilzeitstellen, wenn sie Vater werden. Keine besonderen Probleme? Doch! Aber geht das die Feministinnen etwas an? Continue reading