Wann beginnt der Aufstand? Italien im Oktober 2012

von Christel Buchinger

Ich mache Urlaub in Ligurien, Norditalien. Tellaro ist ein kleiner idyllischer Ferienort im Golf von La Spezia. Hier hat der norditalienische Geldadel seine Zweit-, Dritt- oder Viertwohnung oder seine Villa. Es gibt nur noch wenige Einheimische. Die wenigen Dauerresidenten von sonstwo mussten Geld haben, um hier eine Immobilie gekauft zu haben.

Ein kleiner Schulbus mit winzigen gelben Plastik-Schalensitzen holt jeden Tag die Schülerinnen und Schüler ab und bringt sie wieder zurück. Es sind nicht viele, denn die Bewohnerinnen und Bewohner gehören eher den älteren Semestern an. Beim Abendspaziergang mit dem Hund mussten wir an dem auf dem kommunalen Parkplatz abgestellten Kleinbus vorbei. Neugieriger Blick ins Innere: die gelben Mini-Schalensitze sind zu süß! Mein Mann übersetzt den Text, der auf einem DIN A 4 Blatt in einer Plastikfolie von innen an die Scheibe geklebt ist: Die Eltern der Kinder werden freundlich darüber informiert, dass die Fahrerinnen und Fahrer seit Juni kein Geld mehr bekommen haben, aber trotzdem weiter “professionell den Fahrdienst seitdem aufrechterhalten”: Irrsinn! In den Palazzi, rund um den Parkplatz verbringt der Geldadel (und ein paar ausländische Touristen) sein Wochenende, seinen Urlaub oder den ganzen Sommer. Auf dem Parkplatz stehen für italienische Verhältnisse überproportional viele Riesenkarossen (viel zu groß für die kleinen Parkplätze). Und die Fahererinnen und Fahrer erhalten seit Juni kein Geld, weil der Interessenvertreter des Geldadels und Goldmann-Sachs-Mann Mario Monti die Schuldenbremse durchsetzt, die der Exportgewinner Deutschland den Italienern aufdrückt.

Wann beginnt der Aufstand?