8. März – Internationaler Kampftag für die Rechte der Frauen…

von Christel Buchinger

„In den zwölf Monaten seit dem 25. Januar 2011 hat sich etwas Grundlegendes verändert,
jedoch nicht auf der Ebene der Rechte und der Politik
oder der vieldiskutierten Pläne der Frauengruppen,
Frauen politisch einzubeziehen und ihnen zu mehr Macht verhelfen.
Die wirkliche Veränderung geht viel tiefer:
Wir haben unsere Stimme wiederentdeckt, unsere Identität; und wir haben verstanden,
dass nur wir selbst unsere Rechte erstreiten können
und nicht darauf warten sollten, bis sie uns irgendjemand gewährt.“
Yasmine El Rashidi in Le Monde Diplomatique 2/2012

8. März – Internationaler Kampftag für die Rechte der Frauen…

… das war gestern. Heute heißt er „Weltfrauentag“ und wird selbst von Linken so kämpferisch begangen wie der Weltspartag von den Banken. Die Fraktionen der LINKEN im Bundestag und im Berliner Abgeordnetenhaus geben sich ganz postmodern und veranstalten gar gemeinsam am Weltfrauentag den 3. Queer-Empfang. Die soziale Dimension der Geschlechterfrage wird so elegant und modern entsorgt. Die Europäische Union hingegen beschäftigt sich am 9. März im Europäischen Haus mit dem Thema „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Für DIE LINKE scheint das Thema offensichtlich zu ausgelutscht und zu wenig sexy zu sein.

Allerdings sollte nicht unterschlagen werden, dass die EU den sog. Gender Gap (Geschlechterunterschied) bei der Bezahlung zwar ständig kritisiert, ihn jedoch durch Absenkung der Erwerbseinkommen der Männer zu erreichen trachtet und dabei auch schon erkleckliche Erfolge einfahren konnte. Oder glaubt irgendwer, es stünde den Oberen der Sinn danach, Menschen mehr zu bezahlen, nur weil sie Frauen sind? Wo doch sonst ihr ganzes Trachten darauf gerichtet ist, allen immer weniger zu bezahlen!

Ähnliches geschieht bei der Arbeitszeitverkürzung: Frauen verkürzen ihre Arbeit selber, sie gehen auf Teilzeit. Sie tun das nicht unbedingt freiwillig, sondern sie versuchen auf diese Weise, Erwerbsarbeit mit den anderen Lebensbereichen zu vereinbaren, und bezahlen dafür mit schlechtem Lohn und Karriereverzicht. Aber die Teilzeitarbeit steigt auch bei Männern an. Hartz IV zwingt diejenigen, die ihre Arbeitskraft zu Markte tragen, Männer wie Frauen und jede queere Person ebenso, für noch so kläglichen Lohn zu arbeiten. Das geht nur mit Zwang. Freiwillig ist keiner so blöd. Also werden die sozialen Sicherungssysteme Schritt für Schritt zerstört, die Entlassungen erleichtert, die auf Stütze Angewiesenen erstens verhöhnt und zweitens der Grundrechte beraubt, zum Beispiel des Rechts auf Berufsfreiheit, das ab jetzt nur noch diejenigen haben, die nicht gezwungen sind, ihren Unterhalt durch Lohnarbeit zu erwirtschaften. Auf diesem Weg erreichen wir schließlich die Gleichstellung von Frauen und Männern.

Statt sich am Internationalen Frauentag mit einem Queer-Empfang stylisch in Szene zu setzen, stünde es der LINKEN gut an, das Thema Arbeitszeitverkürzung auf die Tagesordnung zu setzen. Die Gewerkschaften finden mehrheitlich, das stehe im Moment nicht zur Debatte. Dabei wird massenhaft Arbeitszeit verkürzt: auf Null. Für vier Millionen ist diese Arbeitszeitverkürzung Realität. Vier Stunden Erwerbsarbeit täglich sind genug, das finden viele Frauen. Es ist aber nicht genug zum Leben. Frauen brauchen einen Ernährer, um sich vier Stunden Erwerbsarbeit leisten zu können. Die hohe Arbeitslosigkeit lehrt uns aber, dass vier Stunden für jeden auch genug wären, um all die bezahlte Arbeit zu erledigen. Sie müsste dafür nur gleich verteilt werden. Und sie müsste so bezahlt werden, dass man von vier Stunden leben kann. Ein soziales Mammutprojekt! Gerade groß genug, dass die Frauen es sich vornehmen sollten. Vier Stunden und volle Bezahlung!

Die Forderung nach dem Achtstundentag wurde erstmals um 1830 erhoben. 1869 ging sie ins Eisenacher Programm der SPD ein. 1918 erzwang die Novemberrevolution den Achtstundentag als Zugeständnis an die Arbeitenden und um sie von der Räterepublik abzubringen. Fast 100 Jahre sind seitdem vergangen, in denen die Arbeitsproduktivität stärker gewachsen ist als in irgendeinem anderen Jahrhundert. Und da soll nicht mehr drin sein als eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 48 Stunden auf 39?

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